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Die Fruchtwasseranalyse ist nach wie vor die meist verbreitete Untersuchungsmethode für die Frauen und Paare, die einen sicheren Ausschluss von genetisch bedingten Anomalien wünschen.

 Hierbei werden kindliche Zellen aus dem Fruchtwasser gewonnen und deren Erbträger anschließend analysiert. Zahlreiche Chromosomenstörungen können auf diese Weise mit hoher Sicherheit ausgeschlossen werden. Zudem können wir aufgrund dieser Untersuchung eine weitgehend sichere Aussage über den so genannten offenen Rücken (Spina bifida aperta) treffen. Zunehmend entscheiden sich auch jüngere Schwangere für eine Amniozentese, die ihr jeweiliges Altersrisiko oder das im Ersttrimester-Screening ermittelte individuelle Risiko als zu hoch einschätzen. Die Entscheidung für oder gegen eine Punktion kann unabhängig von dem individuellen Risikobefund für eine mögliche Chromosomenstörung des Kindes getroffen werden. Die Fruchtwasserpunktion führen wir erst durch, wenn mindestens 15 SSW abgeschlossen sind. Vor dieser Zeit sollten Punktionen wegen der dann häufigeren Komplikationen nicht vorgenommen werden.

Durchführung der Fruchtwasserpunktion

Unter ständiger Ultraschallkontrolle wird eine sehr dünne Hohlnadel (Außendurchmesser etwa 0,7 mm) so in die Fruchthöhle eingeführt, dass eine Verletzung des Ungeborenen auszuschließen ist. Es werden 10 bis 15 ml Fruchtwasser entnommen. Dies ist weniger als ein Zehntel der gesamten Fruchtwassermenge. Dieser Verlust wird in der Fruchthöhle schnell wieder ausgeglichen. Die Punktion selbst dauert nur ein bis zwei Minuten und verursacht bei den meisten Frauen ein leichtes Ziehen im Bauch. Unmittelbar nach der Punktion verschließt sich der winzige Stichkanal wieder, da das Gewebe sehr elastisch ist.

 Aus den kindlichen Zellen im Fruchtwasser werden Kulturen angelegt, die einige Zeit für Wachstum und Vermehrung benötigen. Das Ergebnis der Fruchtwasseranalyse liegt, abhängig von der Entwicklung der Zellkulturen, zehn bis vierzehn Tage nach der Punktion vor.

 Zusätzlich kann ein Schnelltest (PCR) durchgeführt werden. Dieser ermöglicht meist innerhalb eines Arbeitstages nach der Punktion den sicheren Ausschluss der häufigsten Chromosomenstörungen (Trisomie 13, 18, 21) sowie eine verlässliche Information über das Geschlecht des Kindes. Für den PCR-Schnelltest benötigen wir nur minimale Mengen Erbsubstanz (DNA), so dass kein zusätzliches Fruchtwasser entnommen werden muss.

Die Kosten für die schnelle Diagnostik werden von den Privatversicherern nicht immer übernommen, von den gesetzlichen Krankenkassen nur bei schwerwiegenden Auffälligkeiten.

 Um auch Spaltbildungen des Rückens (Spina bifida aperta) mit hoher Sicherheit auszuschließen, werden obligatorisch ein Eiweißstoff (Alpha-Fetoprotein, AFP) und ein Enzym (Acetylcholinesterase, AChE) im Fruchtwasser bestimmt.

Risiken einer Fruchtwasserpunktion

Die Amniozentese birgt ein sehr kleines Risiko, eine Fehlgeburt auszulösen. In den letzten 20 Jahren haben wir in unserer Praxis mehr als 60.000 Punktionen durchgeführt. Die natürliche Fehlgeburthäufigkeit wurde dabei im Mittelwert um drei Verluste pro 1.000 Schwangerschaften erhöht. In sehr seltenen Fällen kommt es zum Verlust von Fruchtwasser durch die Scheide. Dieser Defekt der Fruchtblase schließt sich jedoch meist wieder, und die weitere Schwangerschaft verläuft ohne Probleme. Noch seltener kann eine Infektion oder Blutung eintreten. Ob das individuelle Risiko geringer oder höher einzuschätzen ist, wird vor einer Punktion durch eine Ultraschalluntersuchung überprüft.

Wie kann man die geringe Häufigkeit von Komplikationen noch weiter senken?

Wir haben Erkenntnisse aus einer mit 35.000 Frauen durchgeführten Studie, dass die Einnahme eines auch in der Schwangerschaft unbedenklichen Antibiotikums (Azithromcyin) in den letzten drei Tagen vor einer geplanten Punktion das Verlustrisiko auf deutlich unter eins von 1.000 senken kann. 
Die Gabe des Antibiotikums soll verhindern, dass bereits vorhandene Infektionen der Scheide oder des Gebärmutterhalses durch das Punktieren der Fruchtblase aktiviert werden und so zu einem vorzeitigen Blasensprung führen. 
Azithromycin ist gut verträglich und hat nur wenige mögliche Nebenwirkungen. Die Veröffentlichungen über die Gabe von Azithromycin in der Schwangerschaft haben keine erhöhten Fehlbildungsraten gezeigt. In Tierversuchen wurden auch bei Gabe des Medikaments in sehr hohen toxischen Dosierungen keine Fehlbildungen beobachtet.

Verhalten nach der Punktion

Direkt nach einer Punktion (Chorionzottenbiopsie, Fruchtwasserpunktion, Nabelschnurpunktion) sollten Sie sich in unserem Ruhebereich mindestens eine halbe Stunde liegend ausruhen. 

Komplikationen in Folge einer Punktion treten nur in sehr seltenen Fällen auf. Kommt es zu Komplikationen, ist dies insbesondere innerhalb der ersten 24 Stunden möglich. Wir raten Ihnen daher, am Punktionstag und am folgenden Tag zu Hause zu bleiben. Ruhen Sie sich überwiegend liegend aus. Vermeiden Sie am Punktionstag und am folgenden Tag schwere körperliche Arbeit (z.B. Sport, schweres Heben, häufiges Treppensteigen).

Wenn Sie berufstätig sind, lassen Sie sich für diese beiden Tage von Ihrer Frauenärztin/Ihrem Frauenarzt eine Krankmeldung ausstellen. Ein bis zwei Tage nach der Punktion sollten Sie Ihre Frauenärztin/Ihren Frauenarzt zu einer Kontrolluntersuchung aufsuchen.

Falls Sie nach einer Punktion Flüssigkeit oder Blut verlieren oder dies vermuten, starke Unterbauchschmerzen oder andere Beschwerden haben, sollten Sie unbedingt Ihren Arzt oder Ihre Klinik aufsuchen. Treten nach der Punktion keine Komplikationen auf, so sind eine Woche danach sowohl Sport und Flugreisen als auch Geschlechtsverkehr unbedenklich wieder möglich - es sei denn, Ihr Arzt hat Ihnen bereits eine andere Empfehlung gegeben.